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42-mal die Eins vorm Komma

42-mal die Eins vorm Komma

103 Abiturienten der Augustinerschule feierlich verabschiedet -Traumnote 1,0 für Klaus Aulbach und Jacob Lange – Stimmungsvoller Abiball am Abend

Dass sich das aktuelle Schuljahr mit Siebenmeilenstiefeln dem Ende nähert, merkt man unter anderem daran, dass eine Vielzahl von Schülerinnen und Schülern nicht mehr zum Unterricht erscheinen muss. Diese privilegierte Gruppe – natürlich handelt es sich um den Abiturientenjahrgang – wurde kürzlich in der Stadthalle zu Friedberg offiziell von der Augustinerschule verabschiedet.
Schulleiter Martin Göbler eröffnete die feierliche Veranstaltung mit seinen Gedanken zum Abi-Motto „Abiwood“. Dabei schlug er den Bogen zum filmischen Vorbild des Leitspruchs, Hollywood, indem er die Frage aufwarf, ob die Augustinerschule eine „akademische Traumfabrik“ oder „nur ein großes Schauspiel“ gewesen sei. Dies müsse freilich jeder für sich selbst beantworten. Mit dem Tag der Verabschiedung sei nun jeder sowieso jeder sein „eigener Regisseur des Drehbuchs seines Lebens“. Nicht nur gelungene assoziative Verknüpfungen mit dem Motto zeichneten Göblers Rede aus, sondern auch inhaltliche Brücken zu früher nur verfilmten Katastrophen, die mitterweile wahr geworden seien, sowie zu Fehlentwicklungen der sozialen Marktwirtschaft oder dem veränderten Verhältnis vieler zu Ehrlichkeit und Wahrheit. Diese Beispiele zeigten, dass die Absolventinnen und Absolventen sich positionieren müssten, „um ihren eigenen Film zu drehen“.
In jedem Fall könne man sagen, dass für diesen Jahrgang „die Kassen geklingelt haben“, denn in Bezug auf die Durchschnittsnote habe lediglich 13-mal die Drei, dafür 48-mal die Zwei und ganze 42-mal die Eins gestanden. Zweimal gab es die Traumnote 1,0 – und zwar für Klaus Aulbach und Jacob Lange.
Bevor die Betreffenden geehrt und die Abizeugnisse überreicht wurden, richtete die Schulelternbeirats-Vorsitzende Ulrike Rhein-Kunz einige Worte an den „ersten in diesem Jahrtausend geborenen Jahrgang“. Sie wünschte den „Ureinwohnern des Netzdschungels“ alles Gute für Ihre Zukunft, dankte den Lehrkräften und Eltern herzlich für deren Unterstützung, erklärte allerdings das „Hotel Mama“ fürs Erste für geschlossen.
Silke Sommer vom Förderverein informierte über den Zweck des Vereins und wies darauf hin, dass auch Schüler als Förderer ihrer Lernstätte fungierten. Deshalb sei erstmals ein Preis für besondere Verdienste um die Augustinerschule ausgelobt worden. Einer davon ging an Joris Käfer, der sich speziell im Orchester ausgezeichnet hatte, wo er diverse Aufgaben, die weit über jene eines Schülers hinausgingen, wie beispielsweise das Halten von Registerproben, übernahm. Die Technik-AG war Hauptwirkungsfeld des zweiten Preisträgers, Claudius Köhs, der überdies noch Mitglied in der Schulkonferenz sowie im SV-Vorstand und im Orchester gewesen sei, womit er unzählige Stunden außerhalb des Unterrichts für die Schule geopfert habe.
Auch der Rotary-Club hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Menschen für soziales Engagement auszuzeichnen – und die Wahl fiel laut den Worten von Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Klein auf einen Schüler, den „Ruhe, Besonnenheit und Ideenreichtum“ auszeichne – Claudius Köhs.
Von den Tutorinnen und Tutoren wurde jeder einzeine Abiturient namentlich erwähnt und bekam sein Abizeugnis überreicht. Einige wurden des Weiteren für außergewöhnliche Leistungen in diversen Fächern geehrt und erhielten Geld- oder Buchpreise oder zeitlich befristete Mitgliedschaften in naturwissenschaftlichen Vereinigungen. Dies waren: Shehnila Ahmed (Französisch), Alina Weber (evangelische Religion), Jacob Lange (evangelische Religion), Julius Staab (Geschichte), Clara de Groote (Musik), Lara Tortell (Sport), Arne Gideon (Mathematik / Physik), Jessica Leichner, Katharina Schnitzmeier, Laura Wolff (alle Chemie), Klaus Aulbach, Claudius Köhs, Lukas Melzig, Simon Ruppel (alle Physik) sowie Samuel Huber, Yannick Pfeiffer und Janek Wenzlik (alle Informatik).
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Big Band der Schule unter Leitung von Stefan Groh, die Herbie Hancocks „Chameleon“ und das vor allem durch Glenn Miller populär gewordene „In the mood“ zum Besten gab.
Am Abend desselben Tages fand dann – ebenfalls in der Stadthalle – der ebenso festliche, vom Abschlussjahrgang selbst organisierte Abiball statt. Dieser begann mit einem feierlichen Einmarsch der Abiturientinnen und Abiturienten, die anschließend einen Langsamen Walzer aufs Parkett legten, der so manchem Angehörigen mit Sicherheit Tränen der Rührung ins Auge zauberte. Die vierstündige Veranstaltung war äußerst geschickt organisiert und beinhaltete drei nicht allzu lange Blöcke mit diversen Programmpunkten, so dass für die Anwesenden genügend Zeit für gute Gespräche, einen heißen Tanz auf dem Parkett oder den einen oder anderen Gang zum schmackhaften Buffet blieb. Die charmante Moderation von jeweils einem Paar pro Block – Hannah Sommer und Jan Fledie, Katharina Schnitzmeier und Nico Rasch sowie Alba Groetsch und Enrico Anker-Fink – trug ihr Übriges zu der angenehmen Atmosphäre bei.
Auch drei Reden standen an diesem Abend im Fokus, doch stand hier eindeutig der Spaß im Vordergrund. Das traf definitiv auf die beiden Schülerbeiträge von Rumeysa Cansiz, die vom verzweifelten und letztlich erfolglosen Versuch, das Regime der Lehrer zu stürzen oder zumindest zu untergraben, berichtete, sowie von Olaf Kehne und Nico Rasch zu, die auf sehr humorvolle Weise auf ihre Schulzeit zurückblickten. Frank WIllim, Pensionär in spe und Lehrer des Deutsch-LKs, ließ die vergangenen zwei Jahre Revue passieren und entdeckte dabei einen wahren Generationskonflikt zwischen sich selbst und seiner bis auf eine Ausnahme aus jungen Damen bestehenden Tutorengruppe. Dies bezog er unter anderem auf die Freizeitaktivitäten sowie den Sprachgebrauch der Abiturientinnen. Von Verbitterung war allerdings keine Spur, was am begeisterten Applaus der Zuhörerschaft deutlich wurde.
Nette und keineswegs peinliche Lehrerspiele sowie ein Auftritt der „Young Company“ des Ballettstudios Wagner-Rogoschinski rundeten den Abend ab, dessen Höhepunkt allerdings am Ende wartete: Der Auftritt des von Hannah Sommer choreographierten und trainierten Männerballetts zu einem bunten Potpourri bekannter Melodien (wie „Dancing Queen“ oder „The Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show) sorgte nicht nur für Lachsalven – die rosafarbenen Tutus waren ein purer Augenschmaus – sondern auch für anerkennenden Beifall und diverse Bravo-Rufe. Das tänzerisch starke Niveau stellte nämlich ein weiteres Ausrufezeichen des Vortrags dar.
Nach dem Ende des offiziellen Teils machte der Abiturjahrgang anschließend in einem Gießener Club die Nacht zum Tag.

Heiko Weber