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Turbulenter Start ins Amt des Studienleiters

Turbulenter Start ins Amt des Studienleiters

Jochen Berger Nachfolger von Barbara Weigl  – Coronavirus prägt erstes halbes Jahr

Jochen Berger sitzt am Schreibtisch und lächelt. Er strahlt Ruhe und Verbindlichkeit aus, das, was die Schüler- und Lehrerschaft schon immer an ihm geschätzt hat. Selbstverständlich erscheint das nicht in diesen Zeiten, in denen so viel passiert ist. Dabei hatte zunächst alles wie erwartet angefangen: Nach knapp drei Jahren in der erweiterten Schulleitung trat Berger zum 1. Februar seine Wunschstelle als Studienleiter der Augustinerschule an und bereitete sich auf seine erste große Aufgabe vor: das schriftliche Abitur des diesjährigen Abschlussjahrgangs. Doch dann kam der 13. März und mit diesem die Schulschließung aufgrund des Coronavirus – und plötzlich stand die Frage im Raum, ob das Abitur überhaupt stattfinden könne. Es konnte – und das war nicht zuletzt Bergers Verdienst; er vergisst allerdings nicht, auf das „fantastische Team“ der Augustinerschule und das „sehr umsichtig“ agierende Kollegium  bei dieser Mammutaufgabe hinzuweisen. Besonders glücklich sei er darüber, dass die ehemaligen Schülerinnen und Schüler sogar noch im würdigen Rahmen hätten verabschiedet werden können.
Diese Verbundenheit mit seinen Schützlingen aus der Oberstufe, die man diesen Worten anhört, prägt  das Verständnis, das der promovierte Physiker, der seit 2010 an der Schule ist, von seiner neuen Aufgabe hat. Der stetige Austausch mit den Lernenden auf dem Weg zum Abitur sorgt weiterhin für eine kommunikative Komponente neben den vielen organisatorischen Tätigkeiten, die mit dem Amt des Studienleiters verbunden sind. Doch auch diese seien für ihn wichtig, denn nur so könne man den Lernenden ein gutes Lernumfeld bieten. Die Kombination dieser Bereiche mache den Reiz für ihn aus.
Als weniger schön bezeichnet er die vielen formalen Anforderungen und Diskussionen, die oft von außen an die Schule herangetragen würden, diese aber nicht unbedingt weiterbrächten. 
Gleiches gelte für das „Bashing“ des Schulsystems, das er während der Corona-Krise beobachtet habe und auf das er gerne verzichten könne. Sogar etwas Positives kann der Lehrer für Mathematik und Physik dem Virus abgewinnen, habe es doch „neue und auch spannende Facetten des Unterrichtens“ zum Vorschein gebracht.
Sehr erleichtert worden sei ihm der Einstieg in das Amt durch seine Vorgängerin Barbara Weigl, die ihn in der ersten Hälfte des Schuljahres eingearbeitet habe.
Die Biologie- und Chemielehrerin war Ende Januar in seligen Vor-Corona-Zeiten nach fast 14 Jahren als Studienleiterin in einer größeren Feierstunde für das gesamte Kollegium, das mit einem Festmahl aus dem Weiglschen Familienkreis verwöhnt wurde, verabschiedet worden. Dass Jochen Berger in durchaus große Fußstapfen treten sollte, wurde an diesem Tag deutlich. Das lag nicht nur an den Attributen „kreativ“, „vorbildlich“, „sehr kompetent“, „überaus engagiert“ und „zuverlässig“, die der ehemalige stellvertretende Schulleiter Konrad Ansorge Barbara Weigl zuschrieb, sondern insbesondere an ihrer professionellen Art sowie dem unermüdlichen Einsatz für die Schülerschaft und die Lehrkräfte. Sie selbst sagte, dass es immer ihr primäres Ziel gewesen sei, gute Voraussetzungen fürs Lernen zu schaffen, ein Anliegen, das sie mit ihrem Nachfolger verbindet. Oberstufenleiterin sei „genau das“ gewesen, was sie immer habe machen wollen. Die Arbeit an der Schule habe sie stets als Privileg empfunden und sie selbst behauptet von sich in Bezug auf ihr Wirken mit einem Augenzwinkern: „Ich bin manchmal ein bisschen nervig“. Trotz der hohen Ansprüche, die sie an sich selbst und auch an das Kollegium gestellt habe, wurde ihr dennoch praktisch „immer gute Laune“ und ein „fröhliches Lachen“ attestiert. Weigl, die viele Leistungskurse in ihrem Lieblingsfach Chemie betreute und an der Schule den Ruf fachlich anspruchsvoller Arbeit im Unterricht hatte, ging freiwillig ein wenig früher in den Ruhestand, „um die Freiheiten des Alters zu genießen“. Ihr Mann nahm sie mehr oder weniger direkt nach dem Eintritt in den Ruhestand auf eine ausgedehnte Reise durch die Anden, die durch Corona noch nicht beeinträchtigt wurde. Der Bitte, sich doch des Öfteren an alter Wirkungsstätte zu zeigen, kam Barbara Weigl vor kurzem nach, um mit Jochen Berger den wohl turbulentesten Amtsantritt, den je ein Studienleiter an der ASF erlebt hat, Revue passieren zu lassen. Gelächelt hat er dabei allerdings auch wieder.

 

Heiko Weber