Zwischen Erinnerung und Mahnung – Augustinerschüler besuchen die Gedenkstätte Hadamar 

Trotz vorweihnachtlicher Stimmung fuhren zwei Geschichtsgrundkurse der Q1 und Q3 von Herrn Yazdi am letzten Schultag vor den Winterferien in die etwa eine Stunde entfernte Stadt Hadamar. Ziel des Ausflugs war es, anhand der dortigen Gedenkstätte mehr über die Verbrechen der nationalsozialistischen „Euthanasie“ zu erfahren und sich mit der Geschichte der Opfer zu befassen. In der damaligen „Heil- und Pfleganstalt“ Hadamar wurden von 1941 bis 1945 fast 15.000 Menschen ermordet.    

Nach unserer Ankunft wurden wir in Gruppen aufgeteilt und erhielten von einer Mitarbeiterin der Gedenkstätte eine kurze Einführung. Da wir im Geschichtsunterricht umfassend auf den Besuch vorbereitet worden waren, konnten wir schnell in die Tiefe gehen. Zunächst setzten wir uns mit unterschiedlichen Aussagen zur „Euthanasie“ auseinander, die wir anschließend eigenständig chronologisch einordnen sollten. Wir diskutierten die vor 1939 liegenden Aussagen mithilfe eines Zeitstrahls und erlangten dadurch erste Eindrücke vom Ursprung dieser Ideologie. 

Anschließend begann die Führung über das Gelände. Zunächst wurden wir durch die ehemalige Busgarage geleitet, in der die grauen Busse mit den Patienten nach Hadamar eintrafen. Danach schauten wir uns die Ausstellung an, in der wir mehr über die Geschichte und die Biografie der Gedenkstätte erfuhren. Wir erfuhren, wie Hadamar während des Nationalsozialismus genutzt wurde und welche Bedeutung es im Zusammenhang mit der sogenannten „zentralen Euthanasie“ und der Aktion T4 hatte. Dabei gingen wir den Weg ab, den neu angekommene Patienten zurücklegen mussten. 

Ein wesentlicher Bestandteil der Führung war die Besichtigung des Kellers. Unten erfolgte eine Erklärung des Tötungsvorgangs der dort ankommenden Menschen. Die Patienten wurden zum Duschen in die geflieste Gaskammer gedrängt. Der zuständige Arzt drehte dann den Gashahn auf. Patienten, die Gegenstände von Interesse wie Goldzähne besaßen, wurden dabei vorher markiert, um sie nach ihrem Tod auszubeuten. Dieser Teil des Ausflugs hinterließ einen besonders starken Eindruck und verdeutlichte, wie schrecklich und industriell das Morden in Hadamar war. Als Schüler fragten, ob die Mitarbeiter während dieser Zeit verurteilt worden waren, erfuhren wir, dass die meisten ungestraft oder mild davongekommen waren und anschließend ein normales Leben führen konnten – eine sehr schockierende Erfahrung! 

Nach Abschluss der Führung legten wir eine kurze Pause ein, um das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten. Anschließend beschäftigten wir uns intensiver mit den Biografien einzelner Opfer der „dezentralen Euthanasie“. Anhand einzelner Lebensgeschichten wurde deutlich, dass es sich um ganz normale Menschen handelte, die nicht nur wegen Krankheit oder Behinderung ermordet wurden. Einzelne Bestimmungen, die regeln sollten, wem der „Gnadentod“ „gewährt“ würde, zeigten uns eindrücklich, wie Begriffe wie „angeborener Wahnsinn“ weit ausgelegt werden konnten. 

Zum Abschluss kehrten wir noch einmal zu den anfangs besprochenen Zitaten zurück. Wir ordneten die letzten Zitate nach 1945 in den Zeitstrahl ein und diskutierten ihre historische Relevanz im Kontext von heute. Dabei wurde deutlich, dass es auch heute noch vergleichbare Ansichten zum „Gnadentod“ bzw. zur Stellung Bedürftiger in unserer Gesellschaft gibt. Abschließend diskutierten wir die historische Bedeutung der Gedenkstätte Hadamar und die Gründe, weshalb Erinnerungsarbeit auch heute noch wichtig ist. Dabei wurden viele Rückfragen gestellt, und wir erfuhren, dass die Gedenkstätte noch heute Anfragen von Angehörigen der Opfer erhält, die erfahren möchten, was mit ihren Verwandten damals geschehen ist. 

Insgesamt hinterließ die Exkursion einen starken Eindruck und regte zum Nachdenken an. Trotz des schwierigen Themas war sie eine bedeutende Erfahrung am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien. Sie hat uns verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und die Erinnerung an die Opfer und Taten lebendig zu halten. Ein besonderer Dank geht dabei an den Förderverein der Augustinschule Friedberg, den Wetteraukreis sowie die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, die die Exkursion maßgeblich finanziell unterstützen, wodurch keine Kosten für die Schülerinnen und Schüler entstanden sind.  

Marie Petersen, 12E