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„Völlig unvorbereitet“ feierlich verabschiedet

„Völlig unvorbereitet“ feierlich verabschiedet

Klaus Günthert und Sylvia Schulz-Böcher an der ASF in den Ruhestand verabschiedet

„Ihr seht mich jetzt so, wie mich meine Schüler nie sehen sollten: absolut unvorbereitet!“ Das waren die Worte von Mathematik- und Physiklehrer Klaus Günthert angesichts seiner Verabschiedung von der Augustinerschule in den Ruhestand am vergangenen Freitag. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sylvia Schulz-Böcher war er von Schulleiter Martin Göbler ans Friedberger Gymnasium bestellt worden, um lediglich die Entlassungsurkunden abzuholen. Als sie jedoch den Schulhof betraten, trafen sie dort auf eine Bühne sowie diverse, nach gültigen Corona-Standards großzügig verteilte Bierzeltgarnituren. Vorher hatten sie absolut nichts geahnt, nun war es augenscheinlich: Sie sollten ihre Schule nicht sang- und klanglos durch die Hintertür verlassen.

Sylvia Schulz-Böcher , ihres Zeichens Lehrerin für Deutsch und Sport, war seit 2000 an der Augustinerschule. Zuvor hatte sie auch im Grundschulbereich gearbeitet, wodurch sie am Gymnasium „eine besondere Perspektive“ (Martin Göbler bei seiner Würdigung) bezüglich der ihr Anvertrauten eingenommen habe. Die geschätzte Kollegin, die sich durch besondere Offenheit auszeichne, prägte das Schulleben in ihrer Rolle als LRS-Beauftragte. Nach zwei Jahren, in denen sie zusätzlich am Schulamt als Fachberaterin für Lese- und Rechtschreibschwäche gewirkt hatte, wurde sie 2010 Oberstudienrätin mit eben diesem Schwerpunkt. Die Art, wie sie damit an ihrer Schule umgegangen sei, habe laut Göbler eine große Entlastung für Kolleginnen und Kollegen dargestellt und den betroffenen Schülerinnen und Schülern enorm weitergeholfen. Das würdigte auch Deutsch-Fachsprecherin Simone Hohmann, die der Pensionärin in spe unter anderem eine Sammlung von Briefen mit persönlichen Wünschen der Fachkolleginnen und -kollegen überreichte. Sport-Fachsprecherin Sandra Wolf wies auf die große Lücke hin, die Schulz-Böcher im Bereich Tanz hinterlassen werde.

Die Mathe- und Physik-Ikone Klaus Günthert verbrachte insgesamt 41 Jahre im Schuldienst, davon satte 35 an der Augustinerschule.  Seine „enorm hohe Fachlichkeit“ in den beiden Fächern, so Martin Göbler, habe ihm in der Schüler- und Elternschaft ein hohes Ansehen verschafft. Davon abgesehen zeichne ihn auch große Klarheit, Ehrlichkeit, auch gegenüber sich selbst, Souveränität und der zugewandte Umgang mit den Schülerinnen und Schülern aus. Die Kombination all dieser Eigenschaften sei wohl auch der Schlüssel zu den riesigen, zahllosen Erfolgen seiner Schützlinge in diversen Mathematikwettbewerben gewesen. Göbler betonte, dass dies ohne hohen persönlichen Einsatz der Lehrkräfte nicht möglich sei. Darauf, dass Günthert seinen Anteil an jenen Erfolgen in der ihm eigenen Bescheidenheit stets kleingeredet habe, hob auch Kerstin Vonsien, Fachsprecherin für Mathematik, ab. Beide Fachschaften  rundeten die Veranstaltung musikalisch ab, indem sie – ordentlich über den Schulhof verteilt – „(Die) August und Klaus“, eine Adaption des A-cappella-Klassikers der Prinzen , „Gabi und Klaus“, zum Besten gaben. Unter Gitarrenbegleitung des Musik-LiV Hendrik Winter und eigener Betätigung an Schlagzeug-Ersatzgeräten sangen sie des Weiteren „Güntherts Abschiedssong“ mit eindeutig erkennbarem Bezug zur Melodie der Après-Ski-Hymne „Anton aus Tirol“.

Verabschiedet wurde auch die ehemalige Englisch- und Französisch-LiV Athina Müller, die nach sehr gut absolviertem Examen ihre Zelte an der Singbergschule in Wölfersheim aufschlagen wird. Noch während der Ausbildung hatte sie den Englisch-Leistungskurs Q2 eines zur Risikogruppe zählenden Kollegen eigenverantwortlich übernommen und souverän durch das Halbjahr geführt, so dass ihr Abgang einen Verlust für die Schulgemeinde darstellt.

Abgerundet wurde die Feier durch Spezialitäten vom Grill von Schulcaterer Hildward „Eddy“ Erfling und seinem Team, die sich freuten, endlich einmal wieder eine größere Gesellschaft bewirten zu können.

Heiko Weber