Politik hautnah: Die PoWi-Leistungskurse der Augustinerschule besuchen Berlin 

Für die PoWi-Leistungskurse der Augustinerschule ist der Besuch der Bundeshauptstadt und insbesondere des Deutschen Bundestages am Ende des ersten Halbjahres der Jahrgangsstufe 12 inzwischen zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden. So machten auch wir uns Mitte Januar nach einem langen Schultag gemeinsam mit Herrn Yazdi und Frau Safak auf den Weg nach Berlin. Nach einer reibungslosen Hinfahrt kamen wir am späten Abend gut in Berlin an. 

Am nächsten Morgen starteten wir direkt in das abwechslungsreiche Programm. Zunächst besuchten wir den „Tränenpalast“, der auf eindrückliche Weise an die Zeit der deutschen Teilung erinnert. Im Anschluss führte uns der Weg ins Deutsche Historische Museum. Die dortige Ausstellung „Roads not Taken“ verdeutlichte anhand von 14 zentralen Ereignissen der deutschen Geschichte anschaulich, welche alternativen Entwicklungen möglich gewesen wären. Nach einer Mittagspause erkundeten wir das Humboldt Forum und beschäftigten uns mit der wechselvollen Geschichte dieses Ortes, an dem sich die verschiedenen Phasen deutscher Geschichte besonders widerspiegeln. Anschließend blieb Zeit, Berlin in Kleingruppen selbstständig zu erkunden, bevor der Abend mit einem gemeinsamen Essen abgerundet wurde, das zugleich als nachgeholte Weihnachtsfeier diente. 

Der zweite und zugleich schon letzte Tag begann deutlich früher, doch das Aufstehen lohnte sich: Im Deutschen Bundestag nahmen wir pünktlich um 9 Uhr im Plenarsaal Platz und erlebten kurz darauf, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nach dem Gong die Sitzung eröffnete. Auch wenn während der Debatte nur wenige Abgeordnete im Plenarsaal anwesend waren, überraschte uns das nicht. Bereits im Unterricht hatten wir besprochen, dass das häufige Vorurteil eines „leeren Bundestages“ zu kurz greift. Schließlich findet die Arbeit der Abgeordneten nicht nur im Plenum statt, sondern auch in Fachausschüssen, innerhalb der Bundestagsfraktionen und in informellen Hintergrundgesprächen, die wir sogar von der Besuchertribüne aus beobachten konnten. Gleichzeitig erlebten wir eine spannende und kontroverse Debatte zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, bei der die unterschiedlichen Standpunkte der einzelnen Parteien sichtbar wurden. 

Besonders interessant war im Anschluss das Gespräch mit dem direkt gewählten Wetterauer Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Pauls. In der Fragerunde ging es um unterschiedliche politische Themen, zum Beispiel um Rentenpolitik, den politischen Umgang mit der AfD sowie die Nutzung sozialer Medien durch Politikerinnen und Politiker. Dabei zeigte sich auch ein direkter Bezug zu unserem PoWi-Unterricht, in dem wir ähnliche Fragen bereits diskutiert hatten. Obwohl für das Gespräch nur eine Stunde eingeplant war, nahm sich Dr. Pauls anschließend auf dem Gang noch Zeit für weitere Fragen, bevor er zu seinem nächsten Termin aufbrechen musste. 

Anschließend besuchten wir die Kuppel des Reichstagsgebäudes und konnten Berlin noch einmal aus einer besonderen Perspektive betrachten. Am Nachmittag führte uns Herr Yazdi vom Brandenburger Tor aus zu verschiedenen historisch bedeutsamen Orten der Stadt. Der Besuch des Holocaust-Mahnmals war dabei ein besonders eindrucksvoller Moment des Rundgangs. Am Berliner Hauptbahnhof endete schließlich der gemeinsame Teil der Fahrt. Während einige Schülerinnen und Schüler noch über das Wochenende in Berlin blieben, trat der Rest der Gruppe die Rückreise nach Frankfurt an. Da sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt problemlos und pünktlich verliefen, konnten wir am Ende schmunzelnd feststellen: Auf die Deutsche Bahn war tatsächlich Verlass. 

Insgesamt war die Berlinfahrt sehr gelungen und für uns als PoWi-Leistungskurse eine bereichernde Erfahrung. Besonders spannend war es, politische Institutionen nicht nur im Unterricht zu behandeln, sondern die Arbeit des Bundestages vor Ort mitzuerleben. Dadurch wurden zuvor vermittelte Inhalte praktisch erfahrbar und politische Zusammenhänge deutlich anschaulicher.

(Mika Lerch, 12F)