Junge Literatur begeistert die E-Phase

Am 20.03.2026 fand in der Aula der Augustinerschule Friedberg eine Lesung der diesjährigen OVAG-Jugendliteraturpreisträgerinnen für die E-Phase statt. Die Veranstaltung bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur die Möglichkeit, junge Literatur kennenzulernen, sondern auch einen direkten Einblick in den Entstehungsprozess literarischer Texte zu bekommen. Eröffnet wurde der Vormittag von Sabine Dückhardt, ihres Zeichens Schulleitungsmitglied der Augustinerschule, die die Gäste begrüßte und die Bedeutung der Veranstaltung für die Schulgemeinschaft hervorhob. Anschließend stellte eine Mitarbeiterin der OVAG die Preisträgerinnen vor und erklärte, wie der Wettbewerb organisiert sei und welche Idee dahinterstehe.

Dabei wurde deutlich, dass es den Jugendliteraturpreis der OVAG bereits seit 23 Jahren gibt und Jugendliche im Alter von 14 bis 23 Jahren teilnehmen können. Jedes Jahr werden 24 Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet. Im Jahr 2025 gingen dafür 200 Einsendungen ein, was zeigt, wie groß das Interesse an dem Wettbewerb ist und wie viele junge Menschen sich kreativ mit Sprache auseinandersetzen. Die Lesung machte damit auch deutlich, welche Bedeutung der Preis für die Förderung junger Autorinnen und Autoren hat.

Zu den diesjährigen Preisträgerinnen zählen Angelika Scholl, Sonja Schnabel und Luana Cimiotti. Im Mittelpunkt der Lesung an der Augustinerschule standen die eindrucksvollen Lesungen Sonja Schnabel und Luana Cimiotti, die das Publikum mit ihren Geschichten fesselten. Angelika Scholl (Singbergschule Wölfersheim) musste die Veranstaltung leider krankheitsbedingt absagen und konnte ihren Text nicht vorlesen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie bereits 2024 diesen Preis erhalten und damit ihr Talent diesmal erneut unter Beweis gestellt hatte.

Sonja Schnabel, Schülerin der Augustinerschule, präsentierte ihren Text „Wände“. Die Erzählung beginnt mit einem rätselhaften Verschwinden: Ein Fenster im Badezimmer wird über Nacht durch eine rote, unverputzte Ziegelwand ersetzt. Stück für Stück verschließen sich weitere Öffnungen im Haus – Türen, Fenster, sogar Löcher, während die Protagonistin verzweifelt rationale Erklärungen sucht. Die unheimliche Atmosphäre gipfelt in einem dramatischen Höhepunkt, als die Haustür verschwindet und der Hund Moon einen grausigen Tod findet. Der Text malt ein klaustrophobisches Bild von Isolation und Verlust. In der lebhaften Fragerunde nach der Lesung offenbarte Sonja die persönliche Genese ihrer Geschichte: Die Inspiration kam ihr, als sie an einem alten, mit Efeu bewachsenen Haus mit Ziegeltür vorbeifuhr. „Im vergangenen Herbst habe ich angefangen zu schreiben“, erzählte sie. „Der Text ist eine Metapher für Einsamkeit.“

Ebenso packend war Luana Cimiottis Lesung ihres Textes „Der Museumsbesuch“. Die Erzählung der Studentin des Fachs Internationale Beziehungen an der Uni Dresden handelt von einer 96-jährigen Witwe namens Loraine, deren Wohnung ein Sammelsurium aus Erinnerungsstücken ist – von Schallplatten über Brotboxen bis zu Kuckucksuhren. Ein unerwarteter Besuch ihrer Nachbarin Danielle und deren Tochter Izzy bringt Abwechslung in ihren ruhigen Alltag. Zunächst reagiert Loraine genervt auf die lebhafte und neugierige Art des Kindes, das ihre Wohnung wie ein Museum voller Erinnerungsstücke erkundet. Im Laufe des Nachmittags entstehen jedoch Gespräche über Vergangenheit, Verlust und das Leben, die beide einander näherbringen. Am Ende erkennt Loraine den Wert dieser Begegnung und öffnet sich immer mehr. Die Geschichte zeigt, wie Generationen voneinander lernen und neue Begegnungen Einsamkeit überwinden können. Die Autorin verriet in der Fragerunde: „Ich habe den Text in nur zwei Tagen geschrieben, inspiriert von einer Reportage über einen Hort.“ Die US-amerikanische Sammlerkultur fasziniere sie besonders. „Die USA als Schauplatz passten perfekt, sonst hätte die Figur den Zweiten Weltkrieg miterlebt.“

Die Preisträgerinnen erhielten neben einem Geldpreis auch einen exklusiven Workshop mit professionellen Autorinnen und Autoren, von dem sie enthusiastisch berichteten. Sonja Schnabel schwärmte: „Der Workshop hat mir geholfen, Aspekte in meiner Geschichte zu entdecken, die mir zuvor entgangen waren.“ Sie träume davon, später Autorin zu werden, sehe das jedoch nicht als ihren „Plan A“. Luana Cimiotti lobte den Workshop ebenfalls und betonte, dass sie ebenfalls auf jeden Fall privat weiter schreiben würden. Diese Begeisterung unterstrich, wie der Wettbewerb nicht nur Anerkennung, sondern langfristige Motivation schafft.

Die Lesung war ein voller Erfolg und ein Highlight für die E-Phase der Augustinerschule. Sie demonstrierte eindrucksvoll, wie junge Menschen aus Alltäglichem und Fantasie tiefgründige Welten erschaffen können. Solche Veranstaltungen regen an, selbst kreativ zu werden. Zur Inspiration verteilte die OVAG kostenlose Bücher mit Tipps für zukünftige Schreibende. Die OVAG-Lesung bleibt als Inspirationsquelle in Erinnerung und lädt ein, genauer hinzuhören: Hinter jedem Text steckt eine Stimme, die gehört werden will.

Chiara Bock