Wie fühlte es sich an, plötzlich alles hinter sich lassen zu müssen? Wie war das Leben in der ehemaligen DDR wirklich? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler des letztjährigen 10. Jahrgangs der Augustinerschule in Friedberg. Der Anlass dafür war ein Besuch der Autorin Maja Nielsen und des Zeitzeugen Thomas Raufeisen, welcher von Anne Damerius und Dr. Christian Wiesner von der Fachschaft Geschichte initiiert worden war.
Die Zehntklässler wurden durch eine besondere Lesung geführt und konnten einen kleinen Einblick in die Realität der damaligen Zeit bekommen. Im Mittelpunkt stand das Buch „Das falsche Leben“, das auf einer wahren Geschichte basiert. Es erzählt die dramatische Lebensgeschichte von Thomas Raufeisen und seiner Familie in den frühen 1980er-Jahren: Die Familie lebt zunächst in Hannover, bis sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen verändert: Der Vater, der jahrelang als DDR-Spion gearbeitet hat, wird enttarnt. Um einer Verhaftung zu entgehen, flieht die Familie in die DDR. Für Thomas und seinen Bruder beginnt damit ein völlig neues und fremdes Leben.
Während der Lesung schilderte Maja Nielsen eindrucksvoll, wie streng und kontrolliert das Leben in der DDR war und wie sehr sich der Alltag dort von dem in Westdeutschland unterschied. Besonders spannend war, dass Thomas Raufeisen selbst anwesend war und von seinen persönlichen Erlebnissen berichten konnte. Er erzählte vom Schulalltag in der DDR, seiner Verhaftung, verbunden mit seiner Zeit im Stasi-Gefängnis Bautzen, von mentalen Problemen, mit denen die Menschen im Gefängnis zu kämpfen hatten und seinem Wunsch, wieder nach Hannover zurückzukehren.
Am Ende der Veranstaltung hatten die Schülerinnen und Schüler noch die Gelegenheit, Fragen an Thomas Raufeisen zu stellen.

Eine Schülerin fasste ihre Eindrücke wie folgt zusammen: „Für uns alle war es eine einmalige Erfahrung und hat uns geholfen, die Realität der 1980er-Jahre besser zu verstehen. Wir finden, dass jeder mehr darüber erfahren sollte, zumal es die Geschichte Deutschlands ist und uns alle betrifft.“
Ein Schüler ergänzte: „Vor allem die persönlichen Erzählungen von Herrn Raufeisen haben gezeigt, wie schwierig und belastend das Leben in der DDR für viele Menschen gewesen ist. Durch die Mischung aus Lesung und Zeitzeugenbericht konnten wir uns die Ereignisse viel besser vorstellen als nur durch den Unterricht oder ein Geschichtsbuch. Besonders beeindruckend war, wie offen Herr Raufeisen über seine Erlebnisse gesprochen hat. Die Veranstaltung hat uns deutlich gemacht, wie wichtig Freiheit und Demokratie sind“
Sophia Lupp
Paul Kuhn
Pascal Klüh

